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Mädchenpensionat 2.0

12. Oktober 2015 / by /

TNT Glitz Autorin Kira Brück hat in einem Alter, in dem andere heiraten und Häuser bauen, eine Mädels-WG gegründet. Jetzt fragt sie sich: Warum zum Teufel sollte man mit dem Menschen, den man am meisten liebt, überhaupt zusammenwohnen wollen?

Vor einer Trennung denkt man ja immer: Okay, wenn ich das jetzt durchziehe, ist mein Leben vorbei. Und mit 33 überlegt man sich das mit dem Schlussmachen erst recht fünfmal. Was, wenn nichts Besseres nachkommt in den nächsten 40 Jahren? Schon klar, das ist der bescheuertste Gedanke überhaupt. Im Frühling war es bei mir jedenfalls wieder soweit. Vorher habe ich mich monatelang gewunden und dann doch noch unglaublich viel Kraft aus irgendeinem versteckten Akku tief in mir drinnen ziehen können – um an einem Samstagmittag zu meinem Freund zu sagen: „Wir wissen es doch beide. Wir schauen längst nicht mehr in dieselbe Richtung. Du ziehst besser aus.“ Er widersprach nicht. Jetzt hatte ich einen Exfreund mehr. Und eine Wohnung, die ich mir allein nicht leisten konnte. Dann passierte etwas Wundervolles: Anstatt Panik kam Lebensfreude in mir hoch. Ich fühlte mich auf wundersame Weise besser als in den zähen Monaten zuvor. Befreit und leicht. Und ich hatte wieder Respekt vor mir selbst. Weil ich Verantwortung für mich übernommen hatte. Und nicht weiter abwartete, ob sich mein Leben von selbst verbessert. Das tut es nämlich in den seltensten Fällen.

Meine Mitbewohnerin war das Beste, was mir passieren konnte

Klar war, dass ich eine Mitbewohnerin brauchte. Bevor ich online auf die Suche ging, fragte ich ein bisschen rum – und da stand sie dann auf einmal vor mir: Stefanie, eine waschechte Schwäbin mit rosa Wangen, einem entwaffnenden Lächeln und brauner Wallemähne. Ich musste keine einzige Nacht drüber schlafen: Sie sah sich die Wohnung an, und wir beschlossen innerhalb von zwanzig Minuten, dass wir das miteinander durchziehen wollen. Warum weitersuchen, wenn sich der Bauch schon längst entschieden hat?

Jeden Abend mit dem Märchenprinzen auf dem Sofa liegen? Och nö!

Steffi zog zehn Tage später ein und ich wusste gleich, dass unsere Mädels-WG das Beste war, was mir – so kurz nach der Trennung – hätte passieren können. Mit einer Frau zu wohnen ist einfach so viel besser als mit dem Mann, den man liebt. Ich weiß, dass mich viele für verrückt halten. Weil es für sie die Erfüllung ist, mit ihrem Märchenprinzen jeden Abend auf dem Sofa Händchen zu halten. Nicht für mich. Es macht mir einfach keine Freude, den Menschen, mit dem ich schlafe, ständig daran erinnern zu müssen, seinen Kram in die Spülmaschine zu räumen. Oder auch mal den Staubsauger in die Hand zu nehmen. Oder wenigstens im Schlafzimmer Ordnung zu halten, verdammt noch mal! Ich bin doch nicht seine Mutti. Das Problem aber ist: Wenn man mit seinem Freund zusammenwohnt, mutiert man früher oder später zum Hausweibchen. Ich wollte das nie. Also stritten mein Ex und ich immerzu (fairerweise muss ich festhalten, dass unsere Haushaltsprobleme nicht der Trennungsgrund waren – irgendwann hatten wir eine Putzfrau).

Eine fröhliche Mädels-WG – ich möchte eigentlich nichts anderes mehr

Jetzt läuft das so: Ich komme an einem Mittwochabend nach Hause und frage meine Mitbewohnerin, was sie heute noch macht. Sie hat nichts vor. Also legen wir die Pussycat Dolls-CD oder Take That ein und putzen die Bude. Danach fläzen wir auf unserer Couch rum, ziehen uns einen Mädchenfilm rein und finden es ganz großartig, dass hinterher jede in ihr Zimmer verschwindet. Wenn wir gewaschen haben, legt eine für die andere die Wäsche fein säuberlich zusammen. Und manchmal schreiben wir kleine Zettel und legen sie uns gegenseitig aufs Kopfkissen. Habe ich schon erwähnt, dass Steffi grandios kochen kann? Ehrlich, ich hatte total vergessen, wie schön es ist, mit einer Frau zusammenzuwohnen. Ich möchte eigentlich nichts anderes mehr. Es ist wie früher, als ich mit meiner Freundin Maike die katholische Mädchenschule besuchte. Sie war Internatsschülerin, und ich hing ständig bei ihr ab. Nur dass Steffi und ich heute größere Zimmer haben, öfter Alkohol trinken und bis vier Uhr morgens Gossip Girl gucken können. Aber das Grundgefühl ist nach wie vor großartig. Allein dafür hat sich der Neuanfang gelohnt.


ABOUT THE AUTHOR

Kira Brück (33) ist eigentlich ein Countrygirl aus Hessen, lebt heute aber in München. Beim Kolumnenschreiben lässt sich die Journalistin am liebsten von Eva Cassidy, Norah Jones und Tracy Chapman inspirieren. Auf die besten Ideen kommt Kira beim Ausreiten mit ihrem Pferd Fleur. Nicht widerstehen kann sie Choco Crossies, Mr. Darcy und sehr schnellem Skifahren.

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