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Moderne Amazonen

03. November 2015 / by /

Pferdemädchen haben zu Unrecht einen schlechten Ruf. In Wirklichkeit sind sie nämlich die tollsten Frauen der Welt. TNT Glitz Autorin Kira Brück ist eine von ihnen.

Im Sommer hatte ich ein paar Tinder-Dates. Die waren sehr aufschlussreich, denn sie folgten immer demselben Schema: Wenn ich sagte, dass ich ein Pferd habe, entglitten den Kerlen die Gesichtszüge. Einer sagte, dass alle Reiterinnen Psychos seien. Ein anderer meinte, dass man als Freund einer reitenden Frau immer nur die zweite Geige spielt. Ein dritter wurde sogar von seinen Jungs davor gewarnt, sich jemals auf ein Mädchen einzulassen, das sich in ihrer Freizeit um Pferde kümmert. Ehrlich, das verstörte mich. Ich machte mir ein paar Gedanken dazu. Und kam zu dem Schluss, dass Reiterinnen völlig zu Unrecht einen miesen Ruf haben. Ich stelle das mal klar.

Der Vorwurf: Pferdemädchen haben einen Knall

Die Wahrheit: Der Umgang mit einem Pferd erfordert nicht nur Mut und Kühnheit, sondern auch viel Empathie. Diese großen Tiere sind schließlich sehr sensibel. Sie folgen einem freiwillig – wenn sie sich gut bei einem aufgehoben fühlen. Das spüren sie sehr schnell. Wer es also auf die Reihe bekommt, sich das Vertrauen eines Pferdes zu verdienen, kann im wahren Leben nicht besonders falsch sein. Dazu kommt, dass reiten wirklich richtig schwer ist. Man lernt es nicht in einem Jahr, ohne Durchhaltevermögen geht es nicht. Und man muss sich auf jedes Pferd neu einlassen, sie sind eben keine Tennisschläger. Pferd und Reiter verschmelzen idealerweise miteinander, dazu bedarf es viel Gefühl. Pferdemädchen sind also geübt darin, sich auf andere einzulassen, sich in sie hineinzufühlen. Ich behaupte: Wir haben keinen Knall, sondern das Herz am rechten Fleck.

Der Vorwurf: Reiterinnen sind zickig

Die Wahrheit: Wo viele Frauen sind, wird gezickt. Geschenkt. Aber: In einem Stall ist es schmutzig und staubig. Wer nicht mit anpackt, hat verloren. Pferdemädchen können mit der Mistgabel umgehen, den Anhänger rückwärts einparken. Und wie man einen Koppelzaun repariert, wissen sie auch. Von wegen Weibersport! Wer viel Zeit auf einem Gestüt verbringt, kann keine Tussi sein. Reiterinnen müssen auch die eine oder andere Verletzung einstecken. Denn Pferde erschrecken sich, sie gehen durch. Wir sind unverwüstlich, moderne Amazonen. Und: Im Stall geht es zuweilen militärisch-autoritär zu. Die Stiefel, die Helme, das Leder. Ehrlich, da ist einfach nicht viel Raum für Zickereien. Ich behaupte also, dass in den Sattelkammern dieser Welt nicht mehr gelästert wird als in Ballettstudios, Tennis-Umkleiden und Schwimmhallen.

Der Vorwurf: Frauen mit Pferd haben nie Zeit

Die Wahrheit: Wir galoppieren über Stock und Stein, wir üben Dressurlektionen, wir sind da, wenn der Tierarzt kommt. Wir investieren viel Zeit, stimmt schon. Auf der anderen Seite sind Pferdemädchen keine Glucken. Sie machen ihr Ding – und lassen Männern ihre Freiheit. Das ist doch großartig! Außerdem: Während andere Frauen shoppen oder GNTM schauen, sind Reiterinnen an der frischen Luft. Sie kommen mit einem klaren Kopf nach Hause, sind aufgeräumt und fröhlich. Und sie nehmen sich sehr wohl Zeit für die Menschen, die sie lieben. Denn sie sind empathisch und kümmern sich gerne um andere, remember?

Übrigens datete ich am Ende meines Tinder-Sommers noch einen Typen, der zwar nichts gegen Reiterinnen hatte. Der dafür aber an einer Pferdehaarallergie litt. Ich muss nicht erwähnen, dass aus uns nichts werden konnte.


ABOUT THE AUTHOR

Kira Brück (33) ist eigentlich ein Countrygirl aus Hessen, lebt heute aber in München. Beim Kolumnenschreiben lässt sich die Journalistin am liebsten von Eva Cassidy, Norah Jones und Tracy Chapman inspirieren. Auf die besten Ideen kommt Kira beim Ausreiten mit ihrem Pferd Fleur. Nicht widerstehen kann sie Choco Crossies, Mr. Darcy und sehr schnellem Skifahren.