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„Ponyhof“: Endlich Anarcho-Fernsehen von Frauen

22. Dezember 2015 / by /

TNT Glitz macht, was sich kein Sender bisher getraut hat: Zwei Mädels treiben in ihrer Sendung Schabernack. Das ist richtig und wichtig.

Sie nehmen sich selbst nicht ernst, ihre Gäste schon gar nicht. Sie machen Faxen, spielen alberne Spiele, malen sich gegenseitig das Gesicht an. Jawoll, will man sagen, wenn man Jeannine Michaelsen („Jojo und Klaas“, „Ehrensenf“) und Annie Hoffmann („Crash Games“) beim Moderieren beobachtet. Lustige Frauen hatten im deutschen TV ja lange keine Bühne. Barbara Schöneberger und Anke Engelke, okay. Aber sonst? Fehlanzeige und gäääähn. Typen wie Joko und Klaas eskalieren in ihrer Sendung und machen allerlei Blödsinn. Mädels hingegen hatten brav und angepasst zu sein. Bitteschön. Bloß nicht dämlich, abgedreht, unberechenbar. Umso schöner, dass Michaelsen und Hoffmann in ihrer Sendung „Ponyhof“ Schabernack treiben können. Und manchmal auch richtig sinnloses Zeug machen. Es wird gequasselt, bis dem Zuschauer der Schädel brummt (etwa mit Gast Nora Tschirner). Das Großartige ist, dass sich die beiden Moderatorinnen selbst nicht besonders ernst nehmen. Sie scheinen sich über ihre gaga Aktionen am meisten zu amüsieren. Das ist die Stärke von „Ponyhof“. Wo bekommen Mädels schon vorgelebt, dass es richtig cool ist, über sich selbst zu lachen? Michaelsen beschreibt sich und ihre Kollegin Hoffmann so: „Die nervige Blonde und die ätzende Brünette“. Ehrlich, das hat im deutschen Fernsehen gefehlt.

Schön ist auch, wie einfach manche Ideen sind – und wie gut sie funktionieren. Eine der Modertorinnen fährt mit Promis wie Starkoch Steffen Henssler durch die Stadt. Sie hören ein Mixtape, das der Gast vorher mit Songs aus seinem Leben zusammengestellt hat. Die werden süffisant kommentiert, es wird mitgesungen. Einfach kann so gut sein. Und lustig. Michaelsen und Hoffmann daten Typen, machen eine Marktforschung zu ihrer eigenen Sendung. Sie sind dabei unverschämt und mutig. Sie überschreiten Grenzen, die sich bisher maximal Joko und Klaas zugetraut haben. Mehr davon, Mädels! Ihr seid die richtigen Gören zur richtigen Zeit. „Ponyhof“ rockt.


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Kira Brück (33) ist eigentlich ein Countrygirl aus Hessen, lebt heute aber in München. Beim Kolumnenschreiben lässt sich die Journalistin am liebsten von Eva Cassidy, Norah Jones und Tracy Chapman inspirieren. Auf die besten Ideen kommt Kira beim Ausreiten mit ihrem Pferd Fleur. Nicht widerstehen kann sie Choco Crossies, Mr. Darcy und sehr schnellem Skifahren.