10521373_10207046113490444_6876437315685082447_n

Lässig leben

09. April 2016 / by /

Seitdem TNT Glitz Autorin Kira Brück weiß, dass sie nach Berlin zieht, wird sie ständig in Kiez-Diskussionen verwickelt. Dabei will sie doch einfach nur nett wohnen.

Ich ziehe demnächst nach Berlin. Von München. Oha, denken jetzt viele. Und sagen das auch: „Das ist ja ein Schritt. Ob du dich da so schnell einleben wirst?!“ Dazu ein besorgter Blick. Als ob man nur auf München oder Berlin geeicht sein kann. Ich bin da relativ pflegeleicht. Wer in Wiesbaden aufgewachsen ist, hat einfach nicht die großen Ansprüche. Da ist man froh, wenn es zwei nette Bars und ein hübsches Frühstückscafé in Reichweite gibt. Und auch in Sachen Stadtteil mache ich mir nicht ins Höschen. Aber alle anderen. Der richtige Kiez – das scheint für viele eine Art Ersatzreligion zu sein. Biste mehr so Mitte? Oder eher Neukölln?

Wilde Zeit? Ich bin eh immer zu spät dran!

Ich finde: Man kann sich da getrost locker machen. Denn ich lande ja ohnehin viel zu spät in Berlin. Sagt zumindest jeder, der sich (vermeintlich) auskennt. „Die wilde Zeit ist doch längst vorbei, was willste da jetzt noch?“ Die Wahrheit ist, dass die beste Zeit in Berlin kurz nach dem Mauerfall war. Seitdem wird jedem Zugezogenen zugeraunt, dass er zu spät sei. In München war die beste Zeit natürlich auch längst vorbei, als ich 2008 ankam. Gerockt hat es da, als die Hippies und Künstler noch in Schwabing gewohnt haben und es in der Maxvorstadt einen marxistischen Kindergarten gegeben hat. Oder als „Monaco Franze“ gedreht wurde. Heute sitzen alle sehr fleißig in ihren Büros bei BMW, Siemens oder Allianz und glauben, hart über die Stränge geschlagen zu haben, wenn sie sich dienstagabends im Biergarten eine Maß in den Kopf gestellt haben.

Dann ziehe ich halt in die Rhön!

Ehrlich, aus Protest würde ich jetzt am liebsten nicht nach Berlin, sondern in ein ganz und gar unangesagtes Kaff ziehen. In die Rhön zum Beispiel. Oder in einen Vorort von Hannover. Das fänden viele bestimmt ganz unerhört, als würde ich die beste Zeit meines Lebens einfach verschenken. An einen langweiligen Ort, in dem es keine Hipster gibt. Dabei habe ich richtig tolle Freunde, die in Recklinghausen, Forchheim und Rettert (Taunus) leben. Die können sich gar nicht vorstellen, weshalb man sich über seinen Kiez definieren sollte. Wahrscheinlich haben sie übers Leben viel mehr verstanden als alle, die um ihre Coolness fürchten müssen, wenn sie mal nicht mehr im Zentrum der Lässigkeit leben.

 


ABOUT THE AUTHOR

Kira Brück (33) ist eigentlich ein Countrygirl aus Hessen, lebt heute aber in München. Beim Kolumnenschreiben lässt sich die Journalistin am liebsten von Eva Cassidy, Norah Jones und Tracy Chapman inspirieren. Auf die besten Ideen kommt Kira beim Ausreiten mit ihrem Pferd Fleur. Nicht widerstehen kann sie Choco Crossies, Mr. Darcy und sehr schnellem Skifahren.