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Ist das sicher?

18. Mai 2016 / by /

Unbefristeter Job, Beamtenstatus, betriebliche Altersvorsorge. Streben wir die falschen Ziele an? Absolut, meint TNT Glitz Autorin Kira Brück. Sie findet: nur wer wagt, gewinnt.

Ach, heimelige Sicherheit. Wann sind wir dir eigentlich verfallen? Meine Freunde und ich, wir sind Mitte 30. Und beruflich – wie sagt man so schön – gesettelt. Wir haben längst verstanden, dass wir die Welt nicht verändern können mit dem, was wir tun. Also schauen wir, dass der Job wenigstens schön sicher ist. Also meine Freunde. Ich bin als freie Journalistin komplett raus, wenn es um Sicherheit geht. Aber ich hatte es auch mal schön sicher. Dann wurde mir klar, dass ich etwas anderes brauche und ließ mich nicht mehr anstellen. Das war mein großes Glück.

„Lern etwas Bodenständiges, Kind!“

Irgendwie sind wir eine merkwürdige Generation. Auf der einen Seite latent bindungsunfähig, weil immer jemand Besseres um die Ecke kommen könnte. Auf der anderen Seite machen wir uns ins Höschen, wenn wir beruflich mal etwas wagen sollen. Klar kann man das jetzt auf unsere Eltern schieben, die uns bei gefühlt jedem Abendessen eingetrichtert haben, etwas Bodenständiges zu lernen. „Dann hast du Sicherheit, Kind.“ Und so kommt es dann, dass die BWL-Vorlesungen von München bis Hamburg bis auf den letzten Platz belegt sind und alle mal in die Industrie wollen. Aber mal ehrlich: BWL studieren und eine Vision haben – schließt sich das nicht aus? Dabei habe ich in meinem Freundeskreis wirklich ganz großartige Controller und Marketing-Fritzen. Aber mir kommt es so vor, als war die ganze Sache von vorne herein der Vernunft geschuldet. Und eben nicht einer Leidenschaft.

Nicht das Wagnis wird gefeiert. Sondern die Eigentumswohnung

Mein Modell war vielleicht nicht besser. Ich habe fünf großartige Jahre Germanistik studiert – und es immer mal wieder mit der Angst zu tun bekommen. Was, wenn aus mir nichts wird? Wenn ich mit dem, was ich hier lerne, niemals Geld verdienen werde? Ich hatte aber keinen Plan B. Und so musste der Traum vom Journalismus einfach funktionieren. Hat ja auch geklappt. Aber ohne Engagement und meinem unbedingten Willen wäre das nichts geworden. So wie bei meiner Freundin Johanna Schneider. Sie hat Jazzgesang studiert. Schon klar, da schüttelt jeder Sicherheitsenthusiast den Kopf. Aber Johanna hat an ihr Talent geglaubt. Und ist glücklich mit ihrem Leben ohne 30 Tage Urlaub und Weihnachtsgeld. Noch ein Beispiel gefällig? Meine Freundin Christina Hecke hatte ein paar hübsche Semester Jura absolviert, als ihr klar wurde, dass sie ihre Lebenszeit nicht in Anwaltskanzleien und Gerichten verbringen möchte. Sie bewarb sich an der Schauspielschule, wurde genommen und dreht heute Filme für TV und Kino. Das andere Leben wäre bestimmt sicherer gewesen – in finanzieller Hinsicht. Aber was bringt es uns, immer nach dem vollen Konto zu streben, wenn unser Herz doch viel lauter pocht bei Abenteuer, Kreativität und Neustart? Wer wagt, gewinnt!

Bloß nicht satt, träge und zufrieden sein

Leider leben wir aber in einer Zeit, in der nicht das Wagnis gefeiert wird. Sondern die Eigentumswohnung am Stadtrand. Richtig schade ist das. Denn hätte ich mich für eine sichere Sache entschieden, wäre ich heute wahrscheinlich eine ziemlich frustrierte Deutschlehrerin. Mich hat die Freiberuflichkeit nicht nur mutig, sondern auch kreativ werden lassen – gerade erschien mein erstes Buch. Ich bin nicht satt, nicht träge, nicht zufrieden. Auch, weil das Geld nicht automatisch jeden Monat auf meinem Konto landet.

Tschüss Sicherheit. Hallo Risiko!

Also an alle, die mit ihrem sicheren Leben nicht (mehr) happy sind. Die sich langweilen. Die am Wochenende zu viel trinken, um überhaupt mal etwas zu erleben: Brecht mit der Sicherheit! Hängt euren Job an den Nagel, macht mal etwas anderes. Engagiert euch für Tiere, Kinder, Arme, Alte. Oder verreist mal länger als 14 Tage. Wir müssen uns alle neu programmieren. Weg von der Sicherheit, hin zu Leidenschaft und Spaß an dem, was wir tun. Denn eigentlich – und das wird bei der Berufswahl leider viel zu oft vergessen – kann man nur dann wirklich herausragend sein, wenn man große Freude an dem hat, was man tut. Und dann kann man auch die Welt verändern. Ein bisschen zumindest.


ABOUT THE AUTHOR

Kira Brück (33) ist eigentlich ein Countrygirl aus Hessen, lebt heute aber in München. Beim Kolumnenschreiben lässt sich die Journalistin am liebsten von Eva Cassidy, Norah Jones und Tracy Chapman inspirieren. Auf die besten Ideen kommt Kira beim Ausreiten mit ihrem Pferd Fleur. Nicht widerstehen kann sie Choco Crossies, Mr. Darcy und sehr schnellem Skifahren.